Im Rahmen der laufenden Aktivitäten des Y-CARE-Projekts haben zwei Partnerorganisationen – QualityCulture und ISUM – eine Reihe von Fokusgruppen und Roundtable-Diskussionen durchgeführt. Ziel war es, das Wohlbefinden sowie die Arbeitsbedingungen von Fachkräften in der Jugendarbeit in Europa besser zu verstehen. Diese Treffen boten wertvolle Einblicke in die täglichen Herausforderungen und machten deutlich, dass es dringend struktureller Veränderungen im Sektor bedarf.
QualityCulture: Emotionale Belastungen und strukturelle Hürden
Am 26. Juni organisierte QualityCulture zwei Online-Fokusgruppen mit zehn Fachkräften aus der Jugendarbeit in Italien. Die Teilnehmenden tauschten sich in einem geschützten Rahmen offen über persönliche Belastungen aus – von emotionaler Erschöpfung über verschwimmende Grenzen zwischen Beruf und Privatleben bis hin zum Fehlen institutioneller Unterstützungsstrukturen. Sie betonten die Notwendigkeit, ihre emotionale Arbeit stärker anzuerkennen und nachhaltigere Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Später am selben Tag fand ein Roundtable statt, bei dem Fachkräfte aus der Jugendarbeit und Psycholog:innen zusammen kamen, viele von ihnen mit Erfahrung in der Arbeit mit besonders verletzlichen Gruppen wie jungen Geflüchteten, Menschen mit Suchterkrankungen oder Jugendlichen mit psychischen Belastungen. Hier rückten die strukturellen Herausforderungen stärker in den Fokus: Der Bedarf an umfassenderen politischen Maßnahmen, einer gesünderen Organisationskultur und langfristigen Unterstützungsmechanismen wurde deutlich, um die psychische Gesundheit von Fachkräften zu sichern.
ISUM: Stakeholder im Austausch in Zagreb
Am 16. Juni 2025 veranstaltete ISUM in Zagreb eine Roundtable-Diskussion mit einer vielfältigen Gruppe von Beteiligten – darunter Fachkräfte aus der Jugendarbeit, Psychologinnen, Vertreter:innen der Zivilgesellschaft sowie ein/e ehemalige/r nationale/r Koordinator:in der Youth Guarantee Initiative aus dem kroatischen Arbeitsministerium. Diskutiert wurden vor allem emotionale und bürokratische Belastungen: von unrealistischen Erwartungen seitens Fördergeber:innen über den Druck, Quantität statt Qualität in den Ergebnissen nachzuweisen, bis hin zu mangelnder institutioneller und kollegialer Unterstützung.
Die Diskussion unterstrich die Dringlichkeit von mehr institutionellem Verständnis, verlässlichen Supervisionssystemen, formalisierten Peer-Netzwerken und flexibleren Arbeitsstandards, um eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu ermöglichen. Am selben Tag führte ISUM außerdem zwei Fokusgruppen mit Fachkräften aus unterschiedlichen Bereichen der Jugendarbeit durch. Die Gespräche beleuchteten zentrale Stressfaktoren im Arbeitsalltag – darunter herausfordernde Begegnungen mit Eltern, instabile Teamdynamiken und fehlende emotionale Unterstützung durch Leitungen. Zwar wurde informeller Austausch unter Kolleg:innen als hilfreich beschrieben, gleichzeitig machten viele Teilnehmende deutlich, dass unklare Kommunikation in den Organisationen und unrealistische Anforderungen zu chronischem Stress und Burnout führen. Ein gemeinsames Fazit der Gruppen war, dass es systemische Veränderungen braucht – etwa kürzere Arbeitszeiten, bessere Kommunikation von Führungskräften und eine Kultur, die das Wohlbefinden der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt.
Die Ergebnisse aus Fokusgruppen und Roundtables eröffnen einen wichtigen Blick in die reale Arbeits- und Lebenssituation von Fachkräften in der Jugendarbeit in verschiedenen europäischen Kontexten. Sowohl Quality Culture als auch ISUM haben es geschafft, Räume zu schaffen, in denen Fachkräfte ihre Sorgen offen äußern, gemeinsame Herausforderungen benennen und Empfehlungen für spürbare Veränderungen entwickeln konnten. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Mission des Y-CARE-Projekts ein: die psychische Gesundheit und die Arbeitsbedingungen in der Jugendarbeit zu verbessern – und damit den Weg zu einem nachhaltigeren und unterstützenden beruflichen Umfeld zu ebnen.
