Ein neuer Transnationaler Forschungsbericht zu Burnout-Risikoprofilen von Jugendarbeiter:innen wurde im Rahmen des Projekts Y-CARE – Youth-Centered Approaches for Resilience and Empowerment, umgesetzt im Erasmus+-Programm, veröffentlicht.
Der Bericht bietet eine vertiefte Analyse von mentalem Wohlbefinden, Burnout-Risiken, Work-Life-Balance, organisationaler Unterstützung sowie Peer-Support-Strukturen in der Jugendarbeit in sechs europäischen Ländern: Kroatien, Österreich, Italien, Griechenland, Polen und Frankreich.
Worum geht es in dem Bericht?
Die Studie kombiniert quantitative und qualitative Forschungsmethoden, darunter eine transnationale Wohlbefindensbefragung, Reflexionsrunden sowie Fokusgruppen mit Jugendarbeiter:innen, Pädagog:innen, Psycholog:innen und Fachkräften der Sozialarbeit. Insgesamt wurden Daten von über 120 aktiven Jugendarbeiter:innen ausgewertet und zeichnen ein realistisches Bild der täglichen Herausforderungen im Arbeitsfeld.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Burnout bei Menschen in der Jugendarbeit ist kein individuelles Versagen, sondern die Folge systemischer und organisatorischer Rahmenbedingungen. Hohe emotionale Anforderungen, verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, instabile Arbeitsbelastungen, Personalmangel sowie eingeschränkter Zugang zu Supervision oder psychologischer Unterstützung wurden in allen Partnerländern berichtet.
Zentrale Ergebnisse und Erkenntnisse
Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist die Identifikation von drei wiederkehrenden transnationalen Burnout-Risikoprofilen, die sich unabhängig vom nationalen Kontext zeigen:
- Hohe emotionale Belastung bei schwacher organisationaler Unterstützung, oft verbunden mit starker Erschöpfung und Gedanken an einen Ausstieg aus dem Berufsfeld.
- Moderate Erschöpfung, abgefedert durch starken, aber informellen Peer-Support, der kurzfristig entlastet, jedoch fragil bleibt.
- Stabilere organisationale Umfelder mit höherer Beteiligung und psychologischer Sicherheit, die das Burnout-Risiko reduzieren – aber nicht vollständig verhindern.
Ein besonders spannender Befund betrifft den Peer-Support: Informelle Unterstützung unter Kolleg:innen ist weit verbreitet und sehr geschätzt, wird jedoch selten strukturiert, begleitet oder als Arbeitszeit anerkannt. In manchen Fällen können unmoderierte Austauschformate Stress sogar verstärken, statt ihn abzubauen. Der Bericht hebt innovative Ansätze wie interessenbasierte oder moderierte Peer-Gruppen als vielversprechende und nachhaltigere Lösungen hervor.
Eine weitere zentrale Erkenntnis betrifft psychologische Sicherheit und Partizipation. Jugendarbeiter:innen, die sich gehört fühlen, in Entscheidungsprozesse eingebunden sind und empathische Führung erleben, berichten von deutlich geringeren Burnout-Risiken – selbst bei hoher Arbeitsbelastung.
Warum ist das wichtig?
Der Bericht liefert starke Belege dafür, dass aktuelle Wohlbefindensstrategien in der Jugendarbeit häufig zu stark auf individuelle Bewältigungsmechanismen setzen, etwa selbst finanzierte Therapie oder persönliche Grenzsetzung. Anstatt auf präventive organisationale Maßnahmen. Dieser Ansatz ist weder fair noch nachhaltig.
Die Ergebnisse fließen direkt in die nächste Phase des Y-CARE-Projekts ein und bilden die Grundlage für:
- gezielte Trainingsprogramme zu Burnout-Prävention und Boundary-Management,
- den Aufbau strukturierter Peer-Support-Netzwerke,
- sowie die Entwicklung der Y-CARE-Digitalplattform mit praxisnahen, niedrigschwelligen Tools für Jugendarbeiter:innen.
Ausblick
Durch die Dokumentation realer Erfahrungen aus ganz Europa positioniert sich der Transnationale Forschungsbericht als konkrete Antwort auf klar benannte Bedarfe im Feld der Jugendarbeit. Die Stärkung des Wohlbefindens von Jugendarbeiter:innen ist nicht nur entscheidend für ihre eigene Gesundheit, sondern auch für die Qualität und Nachhaltigkeit der Jugendarbeit als Profession.
Der vollständige Bericht ist hier verfügbar: https://y-careproject.eu/wp-content/uploads/2026/02/Y-CARE-Transnational-research-report.pdf
